Die Tate St Ives zeigt nach Angaben ihrer Direktorin die erste Retrospektive, die das gesamte Werk der in Schottland geborenen Modernistin Wilhelmina Barns-Graham umfasst, die in der Geschichte der St-Ives-Schule lange übergangen wurde.

Die Tate St Ives hat eine große Retrospektive der britischen Modernistin Wilhelmina Barns-Graham eröffnet. Direktorin Anne Barlow nennt sie laut einem Bericht des Guardian die erste, die das gesamte Schaffen der Malerin umfasst, und eine „längst überfällige Würdigung“. Barns-Graham wurde 1912 in St Andrews geboren, zog 1940 in die kornische Fischerstadt, wurde eine Schlüsselfigur der St-Ives-Schule und arbeitete bis zu ihrem Tod 2004 im Alter von 91 Jahren. Im Zentrum der Schau steht ihr monumentales Gemälde Glacier (Blue Cave) von 1950; die Ausstellung läuft bis zum 3. Mai.

Die Ausstellung zeichnet nach, wie ihr Werk von der Landschaft zur Abstraktion wanderte. Kuratorin Katy Norris verweist auf die Gletscherbilder nach einer Wanderung 1949 bei Grindelwald in der Schweiz sowie auf die Serie Things of a Kind in Order and Disorder aus den 1960er- und 1970er-Jahren, in der kleine Pappquadrate in Reihen auf dem Atelierboden ausgelegt und zufällig angestoßen wurden. Spätere Arbeiten sind die Tuschelinien aus Daumenabdrücken in den Small Energy Drawings der 1980er-Jahre. Dem Bericht zufolge verband sie Farben mit Menschen, Orten und Gefühlen; zitiert wird ihr Vergleich eines Bildes von 1968 mit einer zerbrochenen Ehe, die 1963 geschieden wurde, sowie das Werk Protest von 1967, entstanden während des Vietnamkriegs.

Der Guardian erwähnt, die Kunsthistorikerin Virginia Button habe geschrieben, Barns-Graham habe sich als Frau in einer um Ben Nicholson, Peter Lanyon und Patrick Heron kreisenden St-Ives-Geschichte zu Unrecht an den Rand gedrängt gefühlt. Ihr Ruhm in den 1950er-Jahren verblasste im folgenden Jahrzehnt, als ihre Werke kantiger und weniger kommerziell wurden. Der Filmemacher Mark Cousins, der 2024 einen Film über sie veröffentlichte, meint, man solle sie als eigenständige, einzigartige Künstlerin sehen und nicht als eine von vielen St-Ives-Malern. Diese Einschätzungen stammen aus einem einzigen veröffentlichten Bericht; Öffnungszeiten und Ticketdetails sollten bei der Tate St Ives geprüft werden.