Eine Einzelzellanalyse von Tumoren von 16 Kindern deutet darauf hin, dass manche Rhabdomyosarkome ohne den üblichen Hochrisiko-Marker dennoch aggressive Zellpopulationen enthalten – was die Risikoeinschätzung verbessern könnte.
Forschende des Wellcome Sanger Institute, der Universität Cambridge, des Great Ormond Street Hospital (GOSH), des University College London und weiterer Einrichtungen berichten, dass manche als risikoärmer eingestufte Tumoren bei Kindern versteckte, hochaggressive Krebszellen enthalten. Die in Cancer Research veröffentlichte Arbeit befasst sich mit dem Rhabdomyosarkom (RMS), einem aggressiven Krebs des Muskelgewebes, der zu den häufigsten Weichteilkrebsarten bei Kindern unter 15 Jahren zählt; im Vereinigten Königreich erkranken jährlich etwa 55 Kinder daran. Ärzte unterteilen das RMS traditionell danach, ob ein Tumor eine Genfusion trägt, die mit besonders aggressiver Erkrankung verbunden ist. Dennoch sterben auch Kinder, deren Tumoren diesen Marker nicht aufweisen, und der Grund war bislang unklar.
Das Team untersuchte Tumorproben von 16 Kindern: vier mit fusionsnegativen Tumoren, die tödlich verliefen, vier mit fusionspositiven Tumoren und acht mit fusionsnegativer Erkrankung, die überlebten. Eingesetzt wurden Einzelzell-RNA-Sequenzierung, die die Genaktivität einzelner Zellen misst, und räumliche Transkriptomik, die diese Aktivität innerhalb des Tumors kartiert. Manche als nicht hochriskant eingestuften Tumoren enthielten Zellen, deren Genaktivitätsmuster denen von Hochrisikotumoren stark ähnelten, und seltene genetische Veränderungen betrafen dort viele derselben Signalwege. Die Forschenden deuten dies als Zusammenlaufen verschiedener genetischer Wege in einem gemeinsamen aggressiven Zellzustand.
Nach Angaben der Autoren könnte dies die Risikobewertung verändern: Wenn die biologische Signatur aggressiver Zellen bereits bei der Diagnose erkannt wird, ließen sich Kinder mit höherem Rückfallrisiko auch dann identifizieren, wenn Standardgentests unauffällig sind, während Kindern mit tatsächlich geringerem Risiko ein Teil der intensiven Chemotherapie erspart bleiben könnte. Immuntherapien wie die CAR-T-Zelltherapie werden als mögliche künftige Richtung genannt, müssten für das RMS aber noch erheblich weiterentwickelt und getestet werden. Das Team erweitert die Arbeit nun auf Hunderte weitere Tumorproben; die Ergebnisse aus einer kleinen Gruppe von 16 Kindern sind daher frühe Forschung und keine Änderung der aktuellen klinischen Praxis.



