Eine Erhebung unter 2.221 Anwälten in Victoria zeigt: Die KI-Nutzung stieg binnen eines Jahres von 37 % auf 55 %, die meisten Nutzer sahen aber keine Preisänderung, und viele berichten von Mehrarbeit durch Chatbot-Nutzung der Mandanten.
Künstliche Intelligenz gehört in der Rechtspraxis des australischen Bundesstaats Victoria inzwischen zum Alltag. Das zeigt der Victorian Lawyer Census 2026, den das Legal Services Research Centre des Victorian Legal Services Board and Commissioner am 30. Oktober 2026 veröffentlicht hat. In der freiwilligen Befragung von 2.221 Anwälten gaben 55 % an, KI-Werkzeuge zu nutzen, ein Jahr zuvor waren es 37 %. Der 2025 sichtbare Altersunterschied ist weitgehend verschwunden: Bei den unter 60-Jährigen nutzt in jeder Karrierestufe mehr als die Hälfte KI. Die meisten setzen auf Allzweckprodukte; 79 % der KI-Nutzer nennen Werkzeuge wie ChatGPT, Claude, Gemini und Copilot, während der Wechsel zu spezialisierter Rechtssoftware moderat blieb.
Die Effizienzgewinne sind bei den meisten Mandanten nicht als günstigere Rechtsdienstleistungen angekommen. Nur 26 % der KI nutzenden Anwälte in honorarpflichtigen Kanzleien sagten, KI habe die Honorare gesenkt; die meisten berichteten von keiner KI-bedingten Änderung bei Preisen oder Leistungserbringung. Senkungen kamen häufiger bei Anwälten vor, die hauptsächlich Unternehmensmandanten betreuen. Hauptautorin Dr. Georgina Rychner sagte: „KI wird schnell zum Alltag der Rechtspraxis, aber weite Verbreitung sollte nicht mit weitem Nutzen verwechselt werden.“ Der Guardian ergänzt, dass Anwälte KI-Ergebnisse auch auf Richtigkeit prüfen, was Zeitgewinne aufwiegen könnte.
Auch die KI-Nutzung der Mandanten verursacht Mehrarbeit. Laut den Ergebnissen sagten 46 % der mandantennah arbeitenden Anwälte, Mandanten seien mit falschen oder irreführenden KI-Informationen erschienen, und 41 % hätten KI-erstellte Dokumente oder Schreiben erhalten, die korrigiert werden mussten; nur 10 % berichteten, Mandanten hätten ihr Anliegen dadurch besser verstanden. Rund 46 % sagten, die KI-Nutzung der Mandanten erhöhe Zeit und Aufwand für die Leistungserbringung, gegenüber 19 %, die eine Entlastung sahen; besonders spürbar sei die Last in Rechtsberatungsstellen der Gemeinden. Der Risk Outlook 2026 der Behörde führt den verantwortungsvollen KI-Einsatz als Risiko für die berufliche Kompetenz auf; die Aufsicht will weitere praktische Hilfen für Anwälte und Kanzleien herausgeben.



