Nach der Wahl mit Rekordbeteiligung deuten Nachwahlbefragungen darauf hin, dass weder Benjamin Netanjahus Block noch Gadi Eisenkots Opposition eine Mehrheit hat; arabisch geprägte Parteien legen laut Euronews und France 24 stark zu.

Nachwahlbefragungen, die nach Schließung der Wahllokale am Dienstag, dem 27. Oktober, um 22 Uhr veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass die erste Parlamentswahl in Israel seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 keinen klaren Sieger hervorgebracht hat. Euronews berichtete, weder Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch sein wichtigster Herausforderer, der frühere Armeechef Gadi Eisenkot, habe offenbar eine parlamentarische Mehrheit erreicht. France 24 meldete, die Umfragen sähen den von Eisenkot angeführten Oppositionsblock knapp vor dem vom Likud geführten Block Netanjahus, aber nicht deutlich genug, um das Ergebnis zu entscheiden. Nachwahlbefragungen sind Schätzungen und keine Endergebnisse; die amtliche Auszählung kann abweichen.

Die Wahlbeteiligung war außergewöhnlich hoch: Euronews nannte unter Berufung auf Israels Zentrale Wahlkommission mehr als 74 Prozent, und der Guardian sprach von einem Rekord, zu dem auch Zehntausende im Ausland lebende Israelis beitrugen, die zum persönlichen Wählen heimflogen. France 24 zufolge sahen die Nachwahlbefragungen der großen Fernsehsender die beiden arabisch geprägten Listen zusammen bei 17 oder 18 der 120 Knesset-Sitze, nach 10 im Jahr 2022. Der Likud hatte im Tagesverlauf eine Verlängerung der Wahlzeiten beantragt, die Wahlkommission lehnte dies jedoch ab; Eisenkots Partei erklärte, sie sei dagegen, und nannte den Antrag einen möglichen Vorwand, das Ergebnis später anzufechten.

Als Nächstes folgt die offizielle Auszählung, danach laut France 24 wochenlanges Ringen um die Regierungsbildung. Der Guardian berichtete, selbst wenn der Oppositionsblock mehr Sitze als Netanjahus Koalition gewinne, werde er voraussichtlich keine absolute Mehrheit erreichen; Eisenkot habe zudem eine Zusammenarbeit mit palästinensisch-israelischen Parteien ausgeschlossen, die das Zünglein an der Waage sein könnten. Die endgültigen Sitzzahlen und die Frage, ob ein Block 61 Mandate zusammenbekommt, stehen erst nach vollständiger Auszählung fest.