Bei 114 Patienten aktivierte bewegungsausgelöster Rückenschmerz das Default-Mode-Netzwerk, das bei akutem Schmerz normalerweise leiser wird. Das könnte erklären, warum Schmerzmittel oft zu wenig helfen.

Forschende der UC San Diego School of Medicine berichten, dass durch Bewegung ausgelöste Schübe chronischer Schmerzen im unteren Rücken das Default-Mode-Netzwerk des Gehirns aktivieren. Dieses Netzwerk aus frontalen, parietalen und temporalen Regionen hängt mit Selbstreflexion, Erinnerung und dem Identitätsgefühl zusammen. In den meisten Schmerzstudien nimmt seine Aktivität ab, weil das Gehirn die Aufmerksamkeit auf eine unmittelbare äußere Bedrohung richtet. Die am 5. Oktober 2026 im British Journal of Anaesthesia veröffentlichte Arbeit legt nahe, dass anhaltender Rückenschmerz in das Selbsterleben der Patienten eingebunden sein kann und nicht nur ein körperliches Warnsignal ist.

Das Team rekrutierte 114 Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen, also Schmerzen, die länger als zwölf Wochen anhalten. Jeder absolvierte einen klinisch üblichen Beinhebetest, um einen Schub auszulösen, während die Hirndurchblutung mit Arterial Spin Labeling gemessen wurde, einer funktionellen MRT-Methode ohne injiziertes Kontrastmittel. Zusätzlich setzten die Forschenden einen harmlosen, aber unangenehmen Hitzereiz an der Wade. Die Hitze dämpfte die Aktivität des Default-Mode-Netzwerks, wie bei akutem Schmerz erwartet, während der bewegungsausgelöste Rückenschmerz sie erhöhte. Der korrespondierende Autor Fadel Zeidan sagte, im Schub „beginnt man, die Erfahrung mit dem eigenen Ich zu verbinden“.

Die Autoren meinen, das Ergebnis könne erklären, warum Therapien, die vor allem die Schmerzsignale dämpfen, etwa Opioide, bei chronischen Rückenschmerzen oft nur begrenzt helfen; die Weltgesundheitsorganisation nennt sie die weltweit häufigste Ursache für Behinderung. Zeidans Gruppe hat zuvor Achtsamkeitsmeditation und die psychedelische Substanz Psilocybin untersucht, um die Beziehung zum Schmerz zu verändern. Die Forschenden betonen, dies sei keine Heilung und müsse weiter erforscht werden. Dieser Bericht stützt sich auf eine von der Universität unterstützte Darstellung einer einzelnen Studie; die Ergebnisse beschreiben Hirnaktivität bei Schmerzschüben und belegen keine neue Therapie.