Auf der ersten Station einer neuntägigen Reise erkannte König Charles vergangenes Leid an; karibische Politiker und Reparationsgruppen sagen vor dem Commonwealth-Gipfel in Antigua, Worte allein genügten nicht.
König Charles III. hat am Dienstag auf den Bahamas eine neuntägige Karibikreise begonnen und dabei bei einer Jugendkundgebung im Clifford Park gesprochen, dem Ort, an dem das Land 1973 seine Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte. Er sagte, manches vom Besten der bahamaischen Kultur sei „aus der Dunkelheit geboren“, und es sei richtig, das Leid der Vergangenheit anzuerkennen; zugleich verwies er auf die Klimagefahr für ein Land, dessen Fläche zu etwa 90 Prozent weniger als zwei Meter über dem Meeresspiegel liegt. Berichten zufolge hielten Demonstranten bei der Kundgebung Schilder mit der Aufschrift „Zahlt, was ihr uns schuldet“ hoch.
Die Reise führt weiter zu einem Alleinbesuch in Guyana, bevor sich Königin Camilla in Antigua und Barbuda dazu gesellt, wo der König am Treffen der Regierungschefs des Commonwealth teilnimmt, das laut Commonwealth-Generalsekretärin vom 1. bis 4. November stattfindet. Charles sagte, die Staats- und Regierungschefs würden dort das Erbe der Sklaverei besprechen, und Generalsekretärin Shirley Ayorkor Botchwey erklärte, Reparationen stünden auf der Tagesordnung. Das Nationale Reparationskomitee der Bahamas erklärte, seine Worte blieben hinter dem zurück, was Gerechtigkeit verlange, während Guyanas Präsident Irfaan Ali die Anerkennung des Königs als ersten Schritt bezeichnete und eine Entschuldigung als nächsten Schritt forderte.
Die britische Regierung hat dem König Berichten zufolge keine Entschuldigung und keine Reparationen empfohlen, was der etablierten Politik entspricht; kein moderner Monarch hat sich bislang förmlich für Großbritanniens Rolle im Sklavenhandel entschuldigt. Der Buckingham-Palast erklärt, das Programm konzentriere sich vor allem auf moderne Partnerschaften, junge Menschen und Klimafragen. Der 77-jährige König wird wegen einer nicht näher benannten Krebserkrankung behandelt, und im vergangenen Monat reichte Jamaika, dessen Staatsoberhaupt er weiterhin ist, vor einem Berufungsgericht in London eine Petition ein, um seine Forderung nach Reparationen voranzutreiben.



