Wissenschaftler der University of Sheffield sagen, sie hätten den Effekt reproduziert, der den 1.600 Jahre alten Lykurgosbecher des British Museum im Auflicht grün und bei Durchleuchtung rot erscheinen lässt, berichtet ARTnews.
Forscher der University of Sheffield in England sagen, sie hätten die Farbwechsel-Eigenschaften des Lykurgosbechers nachgebildet, des rund 1.600 Jahre alten römischen Gefäßes im British Museum. Der Becher wirkt bei normalem Licht grün, leuchtet aber rot, wenn er von hinten beleuchtet wird – ein Effekt, der Fachleute seit Jahrhunderten beschäftigt. Laut ARTnews, das sich auf einen Bericht des Guardian stützt, nannte Teammitglied Lisa Hollands das Projekt eine „Herzensangelegenheit“ und verwies darauf, dass frühere Versuche nur begrenzten Erfolg hatten.
Um den Effekt nachzubilden, betteten die Forscher Gold- und Silbernanopartikel in Glas ein, jedes tausendmal kleiner als ein Sandkorn. Hollands erklärte, dass die Partikel beim Durchleuchten blaues und grünes Licht blockieren und Rot- und Orangetöne passieren lassen; wird Licht an der Oberfläche reflektiert, streuen die Partikel es und erzeugen das undurchsichtige Grün des normalen Anblicks. „Für mich ist das Magie“, sagte sie dem Guardian und fügte hinzu, die Römer würden über ihre Experimente vermutlich lachen. Die Berichte beschreiben die Nachbildung des optischen Effekts, nicht den Beweis, wie genau römische Handwerker arbeiteten.
Die Szene auf dem Becher spielt auf König Lykurg aus dem sechsten Buch von Homers Ilias an und feiert den Triumph des Weingottes Dionysos über den von Reben umschlungenen Lykurg. Das Komitee hinter dem von der UNO ausgerufenen Internationalen Jahr des Glases 2022 zählte den Becher zu den sieben Glaswundern der Welt. Ian Freestone, emeritierter Professor für archäologische Materialien am University College London, vermutet, der Wechsel von Grün zu Rot könne mit dem Reifen einer Traube zusammenhängen und bei einer Trinkzeremonie genutzt worden sein – eine Hypothese, keine gesicherte Tatsache. Eine verwandte Skulptur des Glaskünstlers Elliot Walker, im Auftrag der University of Sheffield geschaffen, ist im November beim Festival of the Mind der Universität zu sehen, bevor sie in die Sammlung des Turner Museum of Glass übergeht.



