In einer sechswöchigen randomisierten Studie mit 117 Erwachsenen senkte der Ballaststoff Inulin Kniearthroseschmerzen und Schmerzempfindlichkeit und verbesserte die Griffkraft; die Forschenden betonen jedoch, dass größere Studien nötig sind.

Forschende unter Leitung der Universität Nottingham berichten, dass ein tägliches Inulin-Präparat, ein präbiotischer Ballaststoff aus Lebensmitteln wie Chicorée-Wurzel und Topinambur, die Schmerzen bei Menschen mit Kniearthrose verringerte. Die im Fachjournal Nutrients veröffentlichten Ergebnisse stammen aus der INSPIRE-Studie, einer sechswöchigen randomisierten kontrollierten Untersuchung mit 117 Erwachsenen. Die Teilnehmenden erhielten entweder nur Inulin, nur digital unterstützte Physiotherapie-Übungen, beides zusammen oder ein Placebo. Wer Inulin nahm, berichtete von deutlich weniger Schmerzen, besserer Griffkraft und geringerer Schmerzempfindlichkeit.

Sowohl Inulin als auch Physiotherapie senkten die Knieschmerzen für sich genommen, doch das Präparat brachte zusätzliche Verbesserungen bei Griffkraft und Schmerzempfindlichkeit, die allein mit Training nicht zu beobachten waren. Auch die Therapietreue unterschied sich: Nur 3,6 Prozent der reinen Inulin-Gruppe brachen ab, in der reinen Physiotherapie-Gruppe waren es 21 Prozent. Bei den Inulin-Einnehmenden stiegen die Werte von Butyrat, das Darmbakterien beim Vergären von Ballaststoffen bilden, und des Darmhormons GLP-1. Höhere GLP-1-Werte gingen mit besserer Griffkraft einher, was laut den Forschenden jedoch nicht belegt, dass das Hormon die Verbesserung verursachte.

Das Team mahnt zur Vorsicht: Die Studie war relativ klein und dauerte nur sechs Wochen, sodass größere Untersuchungen mit längerer Nachbeobachtung nötig sind, um zu klären, ob die Wirkung anhält und wer am besten darauf anspricht. Die Ergebnisse legen nicht nahe, dass Ballaststoffpräparate Bewegung oder etablierte Arthrosetherapien ersetzen sollten, sondern deuten auf einen möglichen ergänzenden Ansatz hin. Studienleiterin Dr. Afroditi Kouraki sagte, die Befunde eröffneten die Möglichkeit, dass eine einfache Ernährungsumstellung helfen könnte; Seniorautorin Professorin Ana Valdes sprach von einer möglichen Darm-Muskel-Schmerz-Achse, die weitere Forschung verdiene. Kniearthrose betrifft weltweit Hunderte Millionen Menschen; wer ein Präparat erwägt, sollte zuvor medizinischen Rat einholen.